Die Ausstellung widmet sich der Pareidolie – der menschlichen Neigung, in abstrakten Strukturen vermeintliche Muster und Bedeutungen zu erkennen. Ein Gesicht in Wolken, Schatten, die Figuren formen, Wortfragmente, die sich scheinbar von selbst zu Sinngebilden fügen – unsere Wahrnehmung sucht stets nach Ordnung im Chaos.
Diese Tendenz hat eine lange kulturhistorische Tradition. Bereits in der Antike wurden Naturerscheinungen als göttliche Zeichen gedeutet, während in der Kunstgeschichte das Entdecken verborgener Bilder eine zentrale Rolle spielte – von Leonardo da Vincis Empfehlung, in zufälligen Flecken Inspiration zu suchen, bis hin zu surrealistischen Cadavre Exquis-Techniken oder psychologischen Rorschach-Tests. Religiöse und spirituelle Vorstellungen beruhen oft auf pareidolischen Wahrnehmungen – von Gesichtern in Baumrinden bis zu Marienerscheinungen. Sie prägen nicht nur Mythen und Glaubenssysteme, sondern auch utopische Visionen: Vom Paradies über politische Heilsversprechen bis zu Erlösungsnarrativen der Moderne – immer wieder werden in zufälligen Strukturen Zeichen einer vermeintlichen Ordnung entdeckt, die Zukunftsmodelle inspirieren oder Herrschaft legitimieren. Die Ausstellung verweist daher auch auf die dunkle Seite dieses Phänomens: In der digitalen Informationsflut werden Zufälle zu scheinbar schlüssigen Narrativen verknüpft – ein Mechanismus, der Verschwörungserzählungen befeuert. Bilder und Texte werden aus dem Kontext gerissen, Zusammenhänge konstruiert. Komplexe Realitäten reduzieren sich auf einfache Erklärungen – mit weitreichenden gesellschaftlichen und politischen Folgen. Wie schnell kann der Impuls, Muster zu erkennen, in eine gefährliche Illusion umschlagen?
Eintritt frei
Vernissage: 28.3. um 18:00 Uhr
Öffnungszeiten:
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momartspace.com